Pfadfinder Messer – Was ist legal?

Durch mehre Vorfälle in der Öffentlichkeit hat der Gesetzgeber am 1. April 2008 (nein das war kein Scherz) ein Gesetz erlassen. Er möchte Einhandmesser und größere festste-hende Messer aus dem öffentlichen Leben verbannen, da sie von diesen häufig benutzt werden.

Da man als Pfadi oft ein Messer trägt und es qusi mit zur Kluft gehört, muss man bescheid wissen, was legal ist und was nicht. Ich versuche mit diesem Artikel etwas Klarheit in die Sache zu bringen. Aber weil wir ja in Deutschland leben hier noch ein Disclaimer:

Zu beachten ist, dass es sich hierbei nicht um unzulässige Rechtsberatung handelt, sondern die Ansicht des Verfassers. Es bleibt Verantwortung jedes Pfadis, insbesondere jeder Gruppenleitung, sich ins geltende Recht einzuarbeiten!

Definitionen:

Führen bedeutet die Ausübung der tatsächlichen Gewalt über eine Waffe (auch über Messer) außerhalb der Wohnung, Geschäftsräume oder des eigenen Besitztums. Darunter fällt z.B. das offene Tragen am Gürtel, das verdeckte Tragen unter einer Jacke, in einer Hosenta-sche, im unverschlossenen Rucksack (ohne abschließbares Schloss!). Dabei ist es egal, wo (z.B. Wald, Stadt, öffentliche Verkehrsmittel).
Allgemein gesagt: wer ein Messer dabei hat, führt es im Sinne des Waffengesetzes.

Feststehende Messer: die Klinge kann nicht eingeklappt werden.

Klappmesser (Taschenmesser): Die Klinge kann eingeklappt werden (kann auch feststellbar sein)

Einhandmesser: ist ein Klappmesser, das sich mit einer Hand öffnen und feststellen lässt, meist durch Schraube oder Räd-chen auf oder Loch in der Klinge. Darunter fallen viele mo-derne Klappmesser, die nur über eine Klinge verfügen, sogar einige Schweizermesser. Klappmesser, deren Klinge durch eine Kerbe für den Fingernagel vorne auf der Klinge geöffnet wird, wie die meisten einfachen Klappmesser (z.B. Opinels), ist kein Einhandmesser, da man für das Öffnen des Messers beide Hände braucht!

Hieb- und Stoßwaffen: Hieb- und Stoßwaffen sind Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind unter unmittelbarer Ausnutzung der Muskelkraft durch Hieb, Stoß, Stich, Schlag oder Wurf Verletzungen beizubringen. Vereinfacht ist ein Messer dann eine Waffe, wenn es speziell dazu geschaffen wurde, zu verletzen. Alle anderen Messer gelten als Werkzeuge. Es kommt also nicht darauf an, dass jedes Messer als Waffe missbraucht werden kann. Zur Hieb- und Stoßwaffe wird es nur, wenn es dafür vorgesehen ist. Beispiele sind Bajonett, Kampfmesser, Tantomesser, zweischneidige Messer, Dolche, Schwerter. Bei Wurfmessers ist gibt es welche die als Waffe eingestuft sind (z.b. Shuriken) aber auch welche die als Sportgerät dienen. Klappmesser können auch unter Hieb- und Stpoßwaffen fallen. Umd das ganze abzurunden Gummieknüppel und Stahlrouten gehören auch in diese Kategorie.

Fürhen dieser Messer grundsätzlich immer erlaubt:

  • Feststehende Messer mit einer Klinenlänge bis 12,0cm, die keine Hieb- und Stoßwaffen sind.
  • Klappmesser, egal welcher Klingenlänge, auch mit Feststellklinge, die keine Einhandmesser und keine Hieb-und Stoßwaffen sind

Also kann jedes feststehende Messer bis 12,0 cm Klingenlänge und jedes Klappmesser, welches zum öffnen beide Hände benötigt (egal welcher Klingenlänge; auch festellbare) grundsätzlich überall legal geführt werden, solange es keine Hieb- oder Stoßwaffe ist. Auch als Privatperson (zu dieser Aussage komme ich später noch).

Keine Regel ohne Ausnahme:

  • Verbot des Führens des Messers (Wafe) bei öffentlichen Veranstaltungen, §42 Abs. 1 WaffG
  • Messerverbot nach dem Versammlungsgesetz
  • Verbot durch den Inhaber des Hausrechts (Schule, etc.)

Fazit: Wir empfehle sich ein Messer aus die Kategorie zu holen. Damit steht man immer auf der Richtigen Seite und gerät nicht in Erklärungsnot.

Führen mit Einschränkung erlaubt

Hieb- und Stoßwaffen können geführt werden wenn ein berechtigtes Interesse im Sinne des § 42 a Absatz 2 und 3 vorliegt dieses erfüllen wir (als Pfadi) nicht:

Selbstverteidigung gilt für den Gesetzgeber nicht als berechtigtes Interesse. Somit lieg für Kampfmesser (Hieb- und Stoßwaffe) für uns kein berechtiges Intersse vor. Ein berechtiges Interesse liegt z.B. bei Sicherheitsdiensten für Schlagstäcke vor. Diese Waffen sollten nicht geführt werden. Sie werden mit Bußgeldern bedroht!

Für diese Waffen gilt, dass sie unter 18 Jahren verboten sind. Sie gehören damit nicht in eine Kinder- noch Jugendlichenhand! Auch nicht mal zum ausleihen oder angucken, wenn man es streng nimmt. Darüber hinaus besteht nach §38 Absatz 1 Nr.1 eine Ausweispflicht!

  • Messer mit feststehnder Klinge über 12,0 cm, wenn ein berechtigtes Interesse im Sinne des §42a Absatz 2 und 3 vorliegt. Viele Finnenmesser fallen hierzu, weil sie meist eine Klingelänge von 13-14 cm haben.
  • Einhandmesser jedlicher Klingenlänge, wenn ein berechtigtes Interesse im Sinne des §42a Absatz 2 und 3 vorliegt. Darunter fallen auch Springmesser, soweit die noch erlaubt sind (weiter unten mehr dazu)

Zu Multitools wie z.B. Lethermann kann ich keine Aussage treffen, weil es dazu keine konkrete Regelung gibt. Im Zweifel muss ein Gericht darüber entscheiden, welche Regelung gilt.

Wann liegt ein berechtiges Interesse vor?

Nach dem Gesetz liegt ein berechtigtes Interesse vor, wenn das Führen des Messer im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.

Jeder Pfadi muss also selbst entscheiden ob ein Messer in dieser Kategorie hat und welches Intresse er damit vertreten will. Wenn wir als Privatpersonenunterwegs sind, kann dies an-ders sein. Es kommt darauf an, wo und wofür wir sie führen (z.B. in Kluft im Wald (oder auf dem Weg dahin) oder in Zivil in der U-Bahn auf dem Weg zur Schule). Die Frage ist, ob wir zum Führen eines Messers dieser Kategorie am jeweiligen Ort ein berechtigtes Interesse haben und wir das den Ordnungsorganen überzeugend vermitteln können!

Pfadfinder in Kluft könnten ein berechtigtes Interesse haben, weil das Tragen eines Messers für Pfadfinder entwe-der Teil des Brauchtums ist, dem Sport dient (Wanderung) oder unter einen allgemein anerkannten Zweck fällt (Schnitzen, Brotzeit).
Das alles ist allerdings noch rechtliche Grauzone.

Der Besitz aller Messer dieser Kategorie zuhause ist aller-dings immer legal, auch für solche, die Hieb- und Stoßwaffen zuzuordnen sind (diese jedoch erst ab 18 Jahren).

Falls wir ohne berechtigtes Interesse ein Messer dieser Kategorie führen, droht uns ein Geldbuße (bis 10.000€) und der Verlust des Messers §53, 54 WaffG.

Immer verboten:

ist jeder Umgang mit: Faustmessern, Butterflymessern, Fallmessern und im Gesetz näher bestimmten Springmessern(WaffG Anlage 2 1.4.1). Selbst der besitz ist strafbar. Diese Gegenstände müssen vernichtet werden, Abgeben bei der Polizei kann schon gefährlich sein, da man damit eine Straftat zugibt!

Wer dagegen verstößt, begeht eine Straftat, die auch mit Freiheitsstrafe geahndet werden kann, § 52 Abs. 3!

Quellen:
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__1.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__2.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__3.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__42.html
https://royal-rangers.de/PDF/WaffG-Messer.pdf
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/anlage_1.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/anlage_2.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__52.html
https://www.gesetze-im-internet.de/waffg_2002/__42a.html

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